Die Wassersäule ist der genormte Messwert dafür, wie viel Wasserdruck ein Gewebe aushält, bevor Feuchtigkeit durchdringt. Angegeben wird sie in Millimetern.
Das Messverfahren
Nach EN 20811 wird ein Zylinder auf die Materialprobe gesetzt und mit gleichmäßiger Geschwindigkeit mit Wasser gefüllt. Gemessen wird der Druck, bei dem auf der Rückseite die dritte Wassertropfenstelle erscheint. 10.000 mm entsprechen dem Druck einer zehn Meter hohen Wassersäule.
Ab wann gilt ein Stoff als wasserdicht?
Nach europäischer Norm ab 1.300 mm. Dieser Wert ist in der Praxis knapp bemessen, denn beim Sitzen, Knien oder unter Rucksackgurten entsteht punktuell erheblich mehr Druck. Als Orientierung gilt: bis 5.000 mm für kurze Wege und leichten Regen, 5.000 bis 10.000 mm für den Winteralltag inklusive Dauerregen, 10.000 bis 20.000 mm für Wintersport und lange Touren. Werte darüber bringen für die meisten Einsätze keinen spürbaren Zusatznutzen.
Was die Zahl nicht abdeckt
Eine hohe Wassersäule ist wertlos, wenn Wasser durch offene Nähte oder ungeschützte Reißverschlüsse eindringt. Wasserdichte Jacken haben deshalb verschweißte Nähte und abgedeckte oder beschichtete Reißverschlüsse. Ebenso wichtig ist eine intakte Imprägnierung auf der Außenseite, damit sich der Oberstoff nicht vollsaugt. Passende Modelle finden sich unter wasserdichte Kinderjacken.
Wassersäule bei Hose und Jacke
Für Hosen werden höhere Werte empfohlen als für Jacken, weil beim Sitzen im nassen Schnee erheblicher Druck auf einer kleinen Fläche entsteht. Bei Skibekleidung ist deshalb eine Kombination aus 10.000 mm für die Jacke und 15.000 bis 20.000 mm für die Hose sinnvoll.
Der Wert verändert sich mit der Zeit
Membranen und Beschichtungen altern. Reibung, UV-Licht, Hautfette und häufiges Falten an derselben Stelle setzen ihnen zu. Nach mehreren Jahren intensiver Nutzung erreicht eine Jacke ihren Ausgangswert nicht mehr. Regelmäßige Wäsche mit Spezialwaschmittel und Nachimprägnieren verlängern die Lebensdauer deutlich, weil ein sauberer Oberstoff die Membran entlastet.