Eine Winterjacke sitzt anders als ein Sommerblazer. Sie muss Platz für eine wärmende Zwischenschicht lassen, darf dabei aber nicht so weit sein, dass kalte Luft ungehindert zirkuliert. Genau zwischen diesen beiden Fehlern liegt die richtige Größe.
Messen statt raten
Konfektionsgrößen unterscheiden sich zwischen Marken erheblich, besonders zwischen europäischen, skandinavischen und amerikanischen Herstellern. Verlässlich ist nur der Vergleich mit der Größentabelle des Herstellers. Dafür braucht es drei Maße: Brustumfang an der breitesten Stelle, Taillenumfang und Ärmellänge von der Halswirbelsäule über die leicht angewinkelte Schulter bis zum Handgelenk. Messen Sie über einem dünnen Shirt, nicht über einem Pullover.
Wie viel Platz für Zwischenschichten?
Als Faustregel gilt: Unter die Jacke sollen ein Longsleeve und ein dünner Fleece- oder Merinopullover passen, ohne dass die Schultern spannen. Wer regelmäßig einen dicken Wollpullover trägt, wählt eine Nummer größer. Wer die Jacke vor allem über einem Hemd trägt, bleibt bei der gewohnten Größe. Zu groß ist die Jacke, wenn sich um den Rumpf herum große Luftpolster bilden, die der Körper ständig neu aufheizen muss.
Die Ärmel sind der häufigste Fehler
Ärmel dürfen bei ausgestrecktem Arm nicht über das Handgelenk rutschen. Beim Griff nach oben, etwa an einen Haltegriff in der Bahn, sollten sie nicht bis zum Unterarm hochwandern. Gute Winterjacken haben deshalb elastische Innenbündchen oder verstellbare Klettabschlüsse. Bei Skijacken ist eine Daumenschlaufe im Innenbündchen ein deutliches Plus.
Länge und Schnitt
Die Jackenlänge entscheidet mit über die Wärme. Hüftlange Modelle sind beweglich und alltagstauglich, lassen den unteren Rücken beim Bücken aber schnell frei. Lange Modelle bis über das Gesäß oder bis zum Knie halten deutlich mehr Wärme, schränken beim Radfahren jedoch ein. Wer viel steht oder wartet, ist mit einer langen Winterjacke besser bedient.
Übergrößen und Passform
Bei großen Größen ist nicht nur der Umfang entscheidend, sondern auch, ob die Marke den Schnitt mitwächst. Manche Hersteller vergrößern nur die Weite, nicht aber Armlänge und Rückenlänge, was zu einem kurz wirkenden Sitz führt. Achten Sie auf Modelle mit angepasstem Schnitt, etwa in den Bereichen Damen-Übergrößen und Herren-Übergrößen.
Kinder wachsen, Jacken nicht
Bei Kindern ist die Versuchung groß, gleich zwei Nummern größer zu kaufen. Eine deutlich zu große Jacke isoliert schlechter, die Ärmel stören beim Spielen und die Kapuze rutscht ins Gesicht. Sinnvoller ist eine Nummer Zuwachs kombiniert mit verstellbaren Ärmeln und Saumkordeln.
Onlinekauf ohne Fehlkauf
Bestellen Sie im Zweifel zwei Größen und schicken Sie eine zurück. Prüfen Sie die Jacke zu Hause mit der Kleidung, die Sie tatsächlich darunter tragen wollen. Setzen Sie sich hin, heben Sie die Arme, ziehen Sie die Kapuze auf. Und achten Sie darauf, ob der Reißverschluss ohne Spannung schließt, wenn Sie die Schultern nach vorn nehmen.
Kurz zusammengefasst
Messen, mit der Herstellertabelle abgleichen, Platz für genau eine wärmende Zwischenschicht einplanen und die Ärmellänge im Bewegungstest prüfen. Das verhindert die allermeisten Fehlkäufe.
Größensysteme im Vergleich
Deutsche Damengrößen laufen üblicherweise von 32 bis 54, Herrengrößen von 44 bis 62. Internationale Marken arbeiten dagegen mit XS bis 5XL, wobei die Zuordnung von Marke zu Marke schwankt. Eine skandinavische Outdoormarke schneidet oft schmaler als ein amerikanischer Hersteller derselben Buchstabengröße. Verlassen Sie sich deshalb nie auf den Buchstaben allein, sondern immer auf die Zentimeterangaben in der Größentabelle des Herstellers.
Wenn die Jacke zwischen zwei Größen liegt
Bei sportlichem Schnitt und geplanter Zwischenschicht ist die größere Größe die sichere Wahl. Bei einer ohnehin weit geschnittenen Steppjacke oder einem Oversize-Modell ist die kleinere sinnvoller, weil sonst zu viel Luftvolumen entsteht. Ein guter Anhaltspunkt ist die Schulternaht: Sie sollte auf dem Schulterknochen sitzen und nicht auf den Oberarm rutschen.