Wasserdicht ist kein Gefühl, sondern ein Messwert. Zwei Zahlen tauchen dabei immer wieder auf: die Wassersäule in Millimetern und die Atmungsaktivität, meist in Gramm pro Quadratmeter und 24 Stunden. Beide sind nützlich, wenn man weiß, was sie beschreiben.
Was die Wassersäule misst
Für die Messung nach EN 20811 wird ein Rohr auf den Stoff gesetzt und langsam mit Wasser gefüllt. Der Wert gibt an, bei welchem Wasserdruck die dritte Stelle auf der Rückseite feucht wird. 5.000 mm bedeutet also: Der Stoff hält einer Wassersäule von fünf Metern stand, bevor er durchlässt. Nach europäischer Norm gilt ein Material ab 1.300 mm als wasserdicht, was in der Praxis allerdings sehr knapp bemessen ist.
Praktische Orientierung: Bis 5.000 mm reicht für kurze Wege und leichten Regen. 5.000 bis 10.000 mm decken den Alltag samt Dauerregen ab. 10.000 bis 20.000 mm sind für Ski, Schneesport und lange Touren sinnvoll, weil beim Sitzen im Schnee oder unter Rucksackgurten punktuell hoher Druck entsteht. Mehr als 20.000 mm bringen für die meisten Menschen keinen spürbaren Zusatznutzen.
Was Atmungsaktivität bedeutet
Atmungsaktivität beschreibt, wie viel Wasserdampf der Stoff von innen nach außen durchlässt. Ein üblicher Wert wie 10.000 g/m² pro 24 h heißt: Durch einen Quadratmeter Stoff wandern an einem Tag zehn Kilogramm Wasserdampf. Alternativ wird der RET-Wert angegeben, hier ist niedriger besser; unter 6 gilt als sehr atmungsaktiv, über 20 als kaum atmungsaktiv.
Wichtig ist der Zusammenhang zur Aktivität. Wer ruhig geht, kommt mit 5.000 g/m² gut zurecht. Wer schwitzt, braucht deutlich mehr, sonst sammelt sich die Feuchtigkeit innen und die Jacke fühlt sich klamm an, obwohl kein Regen eingedrungen ist.
Der Stoff allein macht keine dichte Jacke
Eine hohe Wassersäule nützt nichts, wenn Wasser durch die Nähte kommt. Entscheidend sind verschweißte oder getapte Nähte, wasserdichte oder abgedeckte Reißverschlüsse und ein Schnitt, der Wasser ableitet statt es zu sammeln. Auch die Kapuze zählt: Ein steifer Schirm hält Regen vom Gesicht fern, ein nachziehbarer Kordelzug verhindert, dass sie im Wind wegfliegt. Modelle, die das mitbringen, finden sich in den Bereichen wasserdichte Herrenjacken und Skijacken für Kinder.
Die Imprägnierung ist Verschleißteil
Auf der Außenseite sitzt eine wasserabweisende Ausrüstung, die verhindert, dass sich der Oberstoff vollsaugt. Lässt sie nach, perlt nichts mehr ab, der Stoff wird schwer und die Atmungsaktivität bricht ein, obwohl die Membran noch intakt ist. Das wird oft fälschlich als Materialversagen gedeutet. Waschen und Nachimprägnieren stellt die Funktion in aller Regel wieder her.
Wasserdicht, wasserabweisend, winddicht
Die drei Begriffe werden gern vermischt. Wasserabweisend heißt: Leichter Nieselregen perlt ab, längerer Regen dringt durch. Winddicht sagt nichts über Regenschutz aus, ist aber für die gefühlte Wärme oft wichtiger als jede Membran. Nur wasserdicht mit geprüfter Wassersäule und dichten Nähten hält auch Dauerregen stand.
Kurz zusammengefasst
5.000 bis 10.000 mm Wassersäule decken den Winteralltag ab, ab 10.000 mm wird es sportgeeignet. Achten Sie zusätzlich auf getapte Nähte, die Kapuzenkonstruktion und eine intakte Imprägnierung, sonst bleibt die schönste Zahl folgenlos.
Membran, Beschichtung oder dichtes Gewebe
Wasserdichtigkeit entsteht auf drei Wegen. Membranen sind hauchdünne Folien, die mit dem Oberstoff verbunden werden und dank mikroskopischer Poren Wasserdampf durchlassen, flüssiges Wasser aber nicht. Beschichtungen werden direkt auf den Stoff aufgetragen, sind günstiger und meist etwas weniger atmungsaktiv. Sehr dicht gewebte Baumwollstoffe quellen bei Nässe auf und dichten sich dadurch selbst ab; sie sind angenehm zu tragen, aber schwerer und langsamer trocknend.
Warum die Jacke innen trotzdem feucht wird
Wenn außen null Grad herrschen und innen Körperwärme, kondensiert Wasserdampf an der kalten Innenseite der Membran. Das ist Physik und kein Materialfehler. Abhilfe schaffen Belüftungsreißverschlüsse unter den Armen, ein geöffneter Frontreißverschluss beim Aufstieg und eine Zwischenschicht, die Feuchtigkeit von der Haut wegleitet, statt sie zu speichern.